Schreiben lernen und den Schreibprozess erfassen!

In der heutigen Informationsgesellschaft stellt die Schreibkompetenz eine zentrale Fähigkeit dar, die Kindern und Jugendlichen in der schulischen Ausbildung vermittelt werden muss.
Texte werden im täglichen Leben immer häufiger nicht auf Papier, sondern digital am Computer, auf Tablet-PCs, auf Smartphones und Mobiltelefonen geschrieben und werden mit anderen Menschen geteilt. Elektronische Texte werden oft sehr kurz verfasst und folgen nicht dem üblichen Schreibprozess. Das Schreiben am Computer fasziniert viele Kinder mehr als das schulische Schreiben auf Papier, digitale Texte können auch leicht verändert und angepasst werden.

Es ist ein wesentliches Anliegen, dass Schüler/innen lernen, schreibend ihre Gedanken und Emotionen möglichst präzise auszudrücken, damit Ihre Botschaften auch von anderen richtig verstanden und Missverständnisse vermieden werden. Dabei müssen immer der Zweck des Textes und die beabsichtige Zielgruppe der Leser/innen berücksichtigt werden. Dadurch können große Unterschiede in der inhaltlichen und formalen Gestaltung von Texten entstehen (Kreatives Schreiben, Bedienungsanleitungen, SMS-Schreibkultur der Jugendlichen, usw.)

Auch Lehrkräfte schreiben im Schulalltag wesentlich mehr als früher üblich war und erstellen Pläne, Protokolle, Berichte, Informationsschreiben, usw. Ihre Schreibaufgaben gelingen viel einfacher und werden auch besser zu lesen sein, wenn Sie ein grundlegendes Verständnis von Textverarbeitungsprogrammen haben und sich Fähigkeiten im Formatieren und Präsentieren von Informationen angeeignet haben. 

Das Verfassen eines Textes ist ein Problemlöse-Prozess, der mit einem Schreibimpuls beginnt und mit der Entscheidung endet, den Text als fertig anzusehen. Der eigentliche Schreibvorgang besteht dabei aus den Teilprozessen des Planens, Formulierens und Überarbeitens, in denen Sie die Schüler/innen ermutigen, beraten und begleiten sollen. Sie übernehmen während schulischer Schreibprozesse die Rolle einer Beraterin / eines Beraters und es ist nicht Ihre Aufgabe zu entscheiden, was für einzelne SchülerInnen richtig oder falsch ist. Mit überlegten Fragen können Sie die SchülerInnen jedoch dazu anregen, über das Geschriebene nachzudenken und auch zu bedenken, wie die Leser/innen den Text verstehen könnten und ob dies die Wirkung ist, die sie sich gewünscht haben.

Als Lehrperson kann ich das Ziel verfolgen, dass die Schüler/innen schreibend mehr über ein bestimmtes Thema lernen und gleichzeitig ihre Schreibfähigkeiten verbessern.

Schüler/innen können auch als Teams an der Erstellung von Texten arbeiten und profitieren von ihren Unterschieden und individuellen Stärken im Arbeitsprozess. Sobald Texte im Erstentwurf fertig sind, können Mitschüler/innen Feedback zu diesen Entwürfen geben. Davor sollten die Schüler/innen die wesentlichen Regeln für konstruktives Feedback kennen und verstanden haben, damit die Rückmeldungen so formuliert sind, dass die Texte inhaltlich und formal weiterentwickelt werden können. Neben dem Geben einer Rückmeldung ist auch das Annehmen und Verarbeiten eines Feedbacks ein wichtiger Lernprozess, in dem auch die Lehrer/innen eine wichtige Rolle einnehmen.

Ein gutes Layout macht die Struktur eines Textes besser erkennbar, erhöht die Lesbarkeit und erleichtert das Erfassen der Inhalte. Eine geeignete Textgestaltung ist aber nicht nur für das Endprodukt von Bedeutung, sondern bereits für den Schreibprozess.


Lokal installierte Textverarbeitungsprogramme (z.B. Microsoft Office, Open Office, Libre Office) und Webanwendungen für Textverarbeitung (z.B. Google Text & Tabellen, Microsoft Office Web Apps als Teil von Windows Live, Zoho Online Office, Thinkfree Office, u.ä.) bieten einfache Wege zur Erhöhung der Lesbarkeit der geschriebenen Texte. Neben vielen Möglichkeiten der Schrift- und Absatzgestaltung bieten diese Anwendungen auch unterschiedliche Ansichtsmöglichkeiten der Dokumente, die das Erfassen der Dokumentstruktur (Überschriften, Gliederung) erleichtern.

Die integrierten Rechtschreibhilfen können Kinder mit Schreibschwächen unterstützen, die Einblendung von Synonymen hilft bei der Entwicklung von Wortverständnis und Wortschatz. Die Textverarbeitungsprogramme ermöglichen das Einbetten von Bildern und Klängen (Audiodateien) in Texte und unterstützen damit Schüler/innen mit Lese- und Textverständnisproblemen. Schüler/innen mit Sehbehinderungen kann das Lesen durch eine entsprechende Schriftvergrößerung oder durch verschiedene Zoomwerkzeuge (Bildschirmlupe, ZoomIt, u.ä.) erleichtert werden. Spezielle Eingabehilfen (Software, Hardware) können Schüler/innen mit einer körperlichen Beeinträchtigung das Schreiben von Texten ermöglichen.

Last modified: Donnerstag, 20 September 2012, 2:04